Nach mehreren erfolgreichen Tests außerhalb des Hangars hat sich der Solarflieger HB-SIA nun auch zum ersten Mal aus eigener Kraft bewegt. Testpilot Markus Scherdel vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt brachte die vier Motoren zum Laufen, löste die Bremsen und rollte mit rund 9 km/h über die Startbahn.
Dieser Reality-Check – Teil einer Reihe wichtiger Funktionstests – verlief zur vollen Zufriedenheit des Schweizer Astronauten Claude Nicollier, dem Verantwortlichen für diese Phase. Damit macht das Solar Impulse Team einen weiteren bedeutenden Schritt auf dem Weg zur geplanten Weltumrundung 2012. Während dieser Testphase wird das Verhalten des Flugzeugs mit Hilfe telemetrischer Kontrollen genauestens überwacht. Dabei wird klar, ob sich der Solarflieger während der Beschleunigungs- und Bremsmanöver so verhält, wie es das Team im Voraus berechnet hatte. Obwohl diese ersten Manöver aufgrund möglicher Abweichungen von den Berechnungen nicht ganz risikofrei sind, hat der HB-SIA alle Erwartungen erfüllt.
In den kommenden Tagen steigert das Solar Impulse Team die Rollgeschwindigkeit des Solarfliegers zunehmend, bis er schließlich mit 65 km/h seine Abhebegeschwindigkeit erreichen und zu ersten kleineren „Hüpfern“ ansetzen wird. Der zukünftige Pilot André Borschberg erklärt: „Wir werden am Anfang der Startbahn abheben und ein paar Meter über ihr fliegen – ein bisschen wie 1903 die Gebrüder Wright – und dann wieder landen um zu sehen, wie sich der Flieger zu Beginn des Fluges verhält.“ Schon im Februar 2010 sollen dann die ersten längeren Testflüge durchgeführt und im Mai ein kompletter Tag-Nacht-Tag-Zyklus absolviert werden. Die Pioniere Borschberg und Bertrand Piccard machen damit – wie damals Wilbur und Orville Wright – das bislang Unmögliche möglich und schlagen ein vollkommen neues Kapitel in der Geschichte der Fluggeschichte auf.