Im schweizerischen Payerne laufen die Vorbereitungen auf Hochtouren. Die Spannung ist bereits deutlich zu spüren. Alle im Team um die Solar Impulse Initiatoren Bertrand Piccard und André Borschberg fiebern dem ersten Nachtflug des HB-SIA entgegen. Als erstes bemanntes Solarflugzeug soll der Prototyp in den kommenden Tagen zum ersten Mal 25 Stunden ohne Unterbrechung in der Luft sein, angetrieben allein von der Kraft der Sonne.
Wird sich das Flugzeug auch in der Nacht bewähren? Werden die rund 12.000 Photovoltaik-Zellen, die im Flügel des HB-SIA eingelassen sind, ausreichend Energie erzeugen, um das Solarflugzeug allein mit der Kraft der Sonne durch die Nacht zu bringen? Die bei Sonnenlicht gesammelte Energie soll zum Teil sofort für den Antrieb genutzt, zum größten Teil jedoch in Batterien für den Flug durch die Dunkelheit gespeichert werden. Die gespeicherte Energie muss das Flugzeug von Sonnenuntergang bis etwa zwei Stunden nach Sonnenaufgang am folgenden Morgen antreiben. Das Licht im Morgengrauen ist nicht stark genug, um die Batterien von Anfang an aufzuladen.
Ab dieser Woche, sobald sich über Payerne ein windstilles, regenfreies Klima-Fenster auftut, kann es jederzeit losgehen. Dann soll das Solarflugzeug eine ganze Nacht in der Luft bleiben und insgesamt 25 Stunden am Stück fliegen. Ein zweiter Testflug soll danach gar 36 Stunden dauern. Der Flugplan sieht vor, dass das Solarflugzeug in Payerne gegen Morgen startet und bis Nachmittag in eine Höhe von 8.500 Metern aufsteigt. Bei einsetzender Dunkelheit wird es auf eine Flughöhe von 1.500 Metern hinabgleiten und sich dort bis Morgens halten. Besonders interessant wird der Zeitraum vom Sonnenuntergang bis etwa zwei Stunden nach Sonnenaufgang. In dieser Zeit wird das Flugzeug einzig von den Energiereserven, welche tagsüber generiert werden, abhängig sein. Es bleibt also spannend, ob das Flugzeug tagsüber genug Energie aufnehmen kann, um nachts in der Luft bleiben zu können.
Der erste Nachtflug gehört zu den wichtigsten Meilensteinen in dem Projekt „Solar Impulse“, welches 2003 von Piccard und Borschberg ins Leben gerufen wurde. Das eigentliche Ziel ist die Weltumrundung ab dem Jahr 2012 – einzig mit der Energie der Sonne. Hierfür wird die Mannschaft unter Piccard den jetzigen Prototypen HB-SIA noch weiter optimieren und die Grenzen der technologischen Möglichkeiten ausreizen. HB-SIA ist so konzipiert, dass es aufgrund seines Karbonfasergerüstes gerade mal so viel wiegt wie ein Mittelklassewagen, dabei allerdings eine Spannweite von 63,4 Metern besitzt. Um die nötige Energie für den Tag- und Nachtflug zu generieren, sind insgesamt 12.000 Solarzellen auf der Oberfläche des Flugzeugen angebracht und zusätzlich leistungsstarke Lithium-Batterien für die Speicherung der Nachtflug-Energie eingebaut worden.
Aufgrund der Abhängigkeit von optimalen Witterungsverhältnissen kann der genaue Termin für die ersten Nachtflüge erst 72 bis 48 Stunden im Voraus avisiert werden. Auf dieser Seite wird es aktuelle Informationen geben – sowie einen Webcast, mit dem der erste Nachtflug live verfolgt werden kann. Bleiben Sie gespannt.